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ReWire in der Praxis


Wer neben Reason noch mit weiteren VST-Instrumenten arbeiten möchte, seine vorhandenen Hardware-Klangerzeuger nicht ungenutzt lassen will oder mehr und bessere Effekt-Plugins einsetzen möchte, steht vor dem Problem, dass sich diese aus Reason heraus nicht ansteuern lassen. Dank ReWire ist es jedoch möglich, dies zu verwirklichen, indem man Cubase VST als Sequenzer einsetzt und Reason per ReWire steuert. Hier soll auf einfache Weise erklärt werden, wie das geht.

Diese Anleitung ist in 4 Bereiche aufgeteilt:
Im ersten Teil zeigen wir, wie man Reason für den Einsatz in Cubase konfiguriert, damit diese Programme synchron laufen und wie man das Reason-Signal auf den VST-Mixer leitet.

In Teil 2 wird gezeigt, wie man einzelne Instrumente auf eigene VST-Mixer-Kanäle legt, um dort beispielsweise andere DSP-Plugins auf diese isolierten Instrumente anzuwenden.

Im dritten Teil zeigen wir, wie man das volle Potential von Rewire nutzt. Wir zeigen, wie man Reason lediglich als Klangerzeuger-Rack nutzt und jeden Klangerzeuger einzeln vom MIDI-Sequenzer aus steuert.

In Teil 4 schliesslich zeigen wir noch, wie man ganze dann in eine einzige Master-Audio-Datei exportiert, um diese auf CD zu brennen oder ein mp3 zu erzeugen.

Die Beispiel-Methoden wurden aus dem englischen Original-Tutorial von den Propellerheads übernommen, das hier einzusehen ist. Die Grafiken, die Übersetzung und weitergehende Ausführungen wurden von uns erstellt.

Teil 1 : Konfigurieren von Reason und Cubase
Um ReWire überhaupt zum Leben zu erwecken, muss man zu allererst die VST-Hostapplikation starten. Eine aktuelle Liste der ReWire-kompatiblen Programme gibt es hier:
Für unsere Beispiele wurden Cubase 5r4 und Reason 1.0.1 eingesetzt, die Vorgehensweise ist jedoch bei allen Programmen die selbe, daher beziehen wir uns hier ausschlieslich auf Cubase und Reason.
In Cubase öffnet man zunächst über den Menupunkt Geräte -> ReWire das ReWire-Panel. Vorausgesetzt, Cubase und Reason wurden korrekt installiert, bekommt man hier eine Auflistung aller verfügbaren ReWire-Kanäle im System.

Nun aktiviert man diejenigen Kanäle, die man benutzen möchte. Für diesen Teil der Anleitung aktivieren wir lediglich Reason Mix L und Reason Mix R.
Dies hat zur Folge, dass die Audio-Ausgänge des Reason-Mixers auf einen Stereo-Eingang im VST-Mixer geleitet werden und dass beide Programme synchron laufen. Wenn man in einem der Programme den Play-Button drückt, spielt das andere Programm an der selben Stelle im Song, ändert man das Tempo in Cubase, ändert man damit auch das Tempo, mit dem Reason spielt.
Als nächstes startet man Reason. Beim Start erkennt Reason automatisch, dass ReWire aktiviert ist. Werden im Rechner verschiedene Soundkarten betrieben, gleicht ReWire die Einstellungen an und sorgt dafür, dass Reason den gleichen Audio-Treiber benutzt wie Cubase. Diese Änderungen sind temporär und werden später wieder zurückgesetzt.

Nun kann man anfangen, in VST oder Reason zu komponieren oder bereits komponierte Songs zu laden. Hat man beispielsweise eine Begleitmelodie in Reason mit dem Reason-Sequenzer erstellt, kann man nun VST benutzen, um beispielsweise Audio aufzunehmen oder mit einem installierten VST-Instrument weitere Melodien aufzuzeichnen. Hat man externe Synthesizer, kann man für diese MIDI-Kanäle anlegen und damit zusätzliche Spuren wie gewohnt einspielen.
Wenn in Reasons Transportleiste die Anzeige Play leuchtet, bedeutet das, dass sowohl der Sequencer von Cubase als auch der von Reason synchron laufen. Solange diese Anzeige leuchtet ist alles in Ordnung.
Immer dann, wenn man entweder in Cubase oder in Reason Play, Stop oder Rewind drückt, folgt das jeweils andere Programm. Die einzige Ausnahme ist natürlich die Aufnahme-Funktion - diese betrifft immer nur die Anwendung, in dessen Transport-Leiste man den Rec-Button gedrückt hat.

Teil 2 : Einzelne Reason-Spuren auf eigene VST-Mixer-Kanäle leiten.
Nehmen wir an, man hat eine klasse Songbasis in Reason erstellt, hat mit Cubase Audio aufgenommen und seinen externen Synthie-Park auch in den Song eingebunden, doch die Snaredrum, die aus Reason´s Redrum kommt ist noch nicht so, wie man das gerne hätte. Wie wäre es, diese Snaredrum auf einen eigenen VST-Mixer-Kanal zu legen, um ihr mit einem EQ auf den Leib zu rücken oder ihr einen Hall aus einem Effekt-Plugin zu spendieren?
Dazu öffnet man wieder das ReWire-Panel und aktiviert einen weiteren ReWire-Kanal, hier den Reason-Kanal 4. Es ist natürlich auch jeder andere der aufgelisteten Kanäle möglich, für unser Beispiel haben wir den Kanal 4 ausgesucht.

Anschliessend sucht man in Reason das Redrum-Modul, das die besagte Snare-Drum spielt und dreht das Rack mittels der <Tab>-Taste um. Wenn man nun auf den Ausgang des betreffenden Redrum-Kanals mit der rechten Maustaste anklickt, bekommt man eine Liste aller Anschlüsse, an die dieser Audio-Ausgang angeschlossen werden kann. Aus dieser Liste wählen wir für unser Beispiel den Anschluss Hardware Input number 4. Man kann natürlich das virtuelle Kabel auch manuell "ziehen", das hat den gleichen Effekt.

Diese neue, virtuelle Kabelverbindung bewirkt zweierlei:
1. Die Snare-Drum ist aus der Redrum-Signal und somit auch aus dem Reason-Mixer Signal verschwunden. Hat man das Redrum-Signal innerhalb von Reason durch Effektgeräte wie z.B. einen Kompressor geleitet, muss man deren Einstellungen eventuell korrigieren, da ja nun ein Teil des Signals fehlt.

2. Der Kanal 4 im Hardware Interface von Reason wird automatisch dem ReWire-Kanal 4 zugewiesen, den wir gerade eben aktiviert haben. Im VST-Mixer erscheint ebenfalls automatisch ein neuer Kanal.
Startet man nun in einem der beiden Programme den Song per Play-Taste und schaut sich den VST-Mixer an, so findet sich neben dem Reason-Gesamtkanal der Kanal mit der Snaredrum, die wir isolieren wollten.

Diese Snaredrum kann man jetzt mit EQ bearbeiten, automatisieren, im Panorama verschieben oder mit einem beliebigen Effekt-Plugin versehen.

Dies funktioniert mit allen Klangerzeugern, die Reason bietet, genauso. Das ReWire-Interface bietet die Möglichkeit, bis zu 64 Kanäle auf diese Weise isoliert auf den VST-Mixer zu legen.

Es ist natürlich auch möglich, das Signal eines Reason-Klangerzeugers zuerst durch die Reason-internen Effektgeräte zu leiten und dann erst auf den VST-Mixer um beispielsweise einer Fläche einen hochwertigeren Hall aus einem Plugin zu spendieren oder eine Drum-Spur durch einen Multiband-Kompressor zu schicken. Zu beachten ist hier nur, dass ReWire-Kanäle mono sind. Will man eine Stereo-Fläche verbinden, müssen 2 ReWire-Kanäle belegt werden.

Auf diese Weise ist es auch Besitzern von Hardware-Klangerzeugern möglich, Reason in vollem Umfang zu nutzen, ohne auf den Klang des externen Quellen verzichten zu müssen. Dies ermöglicht einen Einsatz von Reason in Studio-Umgebungen und erweitert die Möglichkeiten von vorhandenen Mini-Studios mit beschränkter Ausstattung erheblich.

Wie man Reason ausschliesslich als Klangerzeuger nutzt und auf dessen Sequenzer völlig verzichten kann, zeigen wir im dritten Teil dieser Anleitung.

Teil 3 : ReWire für Fortgeschrittene
Wahrscheinlich ist bereits aus Teil 2 klar geworden, dass zwischen den Kanälen, die man im ReWire-Panel in Cubase aktiviert und dem Reason Hardware Inteface ein Zusammenhang besteht. Und so funktioniert das:

Hat man ReWire aktiviert - wie in Teil 1 beschrieben - dann sorgt das Hardware Interface dafür, dass die Audiosignale an ReWire gesendet werden und nicht, wie man vermuten könnte, an ein Mehrkanal-Audiointerface.
Benutzt man die Kanäle 1 + 2, so wird im VST eine Stereo-Spur angelegt, diese sind somit eher geeignet, bereits erstellte Reason-Songs durchzuschleifen. Alle anderen Kanäle des Reason Hardware Interface´s (3-64) erscheinen hingegen als Mono-Spuren im VST-Mixer.

Es macht also keinen Sinn, innerhalb Reason ein Subtraktor-Signal durch ein Delay links und ein Delay rechts zu schicken und dann erst per ReWire an den VST-Mixer zu senden, es sei denn man belegt gleich 2 ReWire-Kanäle.
Andererseits ist es dadurch möglich, mit Reason einen schönen, breiten Stereo Mix zu erstellen und dennoch bei Bedarf einzelne Instrumente zu isolieren (siehe Teil 2).

Möchte man allerdings komplett auf den Reason-Mixer verzichten, um die kompletten MIDI-Spuren innerhalb von Cubase aufzunehmen und zu arrangieren, so ist dies auch kein Problem. Dann entfernt man einfach den Mixer aus dem Reason-Rack und schliesst alle Klangerzeuger, die man aus Reason benutzen möchte, einen nach dem anderen an das Hardware Interface an.

Auch wenn Reason als komplette Umgebung mit Sequenzer, Klangerzeugern, Effekten und Mixer daherkommt, ReWire ermöglicht es Reason per MIDI fernzusteuern. Es ist egal, ob man den Reason-Sequenzer komplett umgehen will oder nur einzelne Geräte aus Cubase heraus steuern will.

Wenn Cubase läuft und ReWire aktiviert ist, geht das äusserst simpel:
Hat man in seinem Cubase Arrangement eine MIDI-Spur angelegt hat, kann man als "Ausgang" neben vorhandenen Soundkarten-Synthesizern, installierten VST-Instrumenten und eventuell vorhandenen Hardware-Klangerzeugern alle per ReWire verbundenen Reason-Geräte wählen. Diese verhalten sich absolut genauso.

Spielt man nun den betreffenden MIDI-Kanal per Keyboard, hört man das Reason-Gerät. Änderungen wie z.B. andere Oszillator-Einstellungen beim Subtraktor werden wie von Reason gewohnt in dessen Rack eingestellt
Nun kann man in Cubase seine MIDI-Daten aufnehmen.
Ebenso kann man Automation über Cubase erstellen, indem man diese entweder manuell per Maus in die betreffenden Controller-Felder einträgt, an den Knöpfen und Reglern im Reason-Rack spielt oder die Daten eines externen MIDI-Controllers aufnimmt.

Wenn man den Reason-Sequenzer komplett umgehen will, empfielt es sich, alle Parts oder Sequenzen aus dem Reason Sequenzer zu löschen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, in der Transport-Leiste von Reason den Play-Schalter zu deaktivieren, doch dies ist nur zu empfehlen, wenn man für die Reason-Klangerzeuger keine Patterns (Redrum- oder Matrix-Pattern-Sequenzen) angelegt hat, da diese dann ebenfalls abgeschaltet werden.

Hat man in Reason einen ganz speziellen, persönlichen Synthesizer-Klang eingestellt, so ist zu beachten, dass man diesen Patch gesondert abspeichern muss. Diese Daten werden nicht automatisch mit dem Cubase-Arrangement gespeichert. Man kann den Patch einzeln abspeichern oder aber auch einen Reason-Song mit allen verwendeten Patches und Samples anlegen. Dies ist bei umfangreiches Setups und vielen Samples zu empfehlen, vor allem, wenn man den Song mit jemand anderem über das Internet austauschen möchte, da dann nur wenige Dateien zu übertragen sind.

Teil 4 : Erstellen von Master-Audio-Dateien
Hat man seinen Song fertig und möchte diesen veröffentlichen, so muss man zunächst ein Master erstellen. Dies ist sehr einfach, jedoch gilt es, ein paar Kleinigkeiten zu beachten.

Exportiert man den Song aus Cubase heraus, muss man die Locatoren, also die Loop-Punkte richtig setzen, da nur dieser Teil exportiert wird. Ausserdem ist es nur so möglich weitere VST-Instrumente, Audiospuren und Effekt-Plugins, die man für seinen Song verwendet hat, auch im Endergebnis zu hören. Die erstellte Audio-Datei kann man schliesslich noch bearbeiten, um ihr den letzten Schliff zu verleihen.
Exportiert man aus Reason heraus mit der "Export song to Audio file" oder "Export Loop to Audio file" Funktion, werden nur die Klangquellen exportiert, die mit Kanal 1+2 des Reason Hardware Interface verbunden sind. Hat man ein komplexes ReWire-Setup erstellt, so gehen alle anderen ReWire-Kanäle verloren, was sicherlich nicht Sinn der Sache ist. In diesem Fall empfielt sich grundsätzlich über Cubase zu exportieren.

Hat man zu viele VST-Instrumente und Plugins in seinem Setup und der Rechner stockt, dann
kann diese Funktion jedoch helfen, Rechenleistung zu sparen, indem man den Reason-Teil, der per Kanal 1+2 des Hardware Interface´s eingebunden ist, in eine eigene Audiodatei exportiert und diese Audiospur dann in Cubase zurück importiert. Die Klangerzeuger dieses Teils können dann aus dem Reason-Setup gelöscht werden und es wird wieder Rechenleistung frei, die anderweitig verwendet werden kann.

Damit wären wir am Ende unserer ReWire-Anleitung. Wir hoffen, dass euch dies geholfen hat und wünschen viel Spass mit den Möglichkeiten von Reason in einer ReWire-Umgebung!